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Leiter der Landesgeschäftsstelle für Salzburg Dipl.-Ing Wolfgang Loub Gamperstraße 32/15, 5400 Hallein Telefon: 0677 620 09 444 salzburg[at]sprengverband.at |
Ich begrüße Sie herzlich auf der Salzburger Seite des Sprengverbandes und stehe gerne für Informationen und Fragen zur Verfügung.
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Folgend ein Bericht zum letzten Salzburger Sprengtag am 21.02.2025:
Das war der 21. Salzburger Sprengbefugtentag
Am 21. Februar 2025 fand der mittlerweile 21. Salzburger Sprengbefugtentag im Lehrbauhof Salzburg statt. Über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Bauwesen, Sprengtechnik, Bergbau, Behörden und Sicherheitsinstitutionen folgten der Einladung der Landesgeschäftsstelle Salzburg des Verbands der Sprengbefugten Österreichs. Die Veranstaltung bot wie gewohnt ein dichtes Programm aus aktuellen Entwicklungen, praktischen Erfahrungen und rechtlichen Neuerungen.
Nach einem gemeinsamen Begrüßungskaffee eröffnete Landesstellenleiter DI Wolfgang Loub den Sprengbefugtentag und begrüßte die Gäste gemeinsam mit Bmstr. Ing. Werner Hammer (Lehrbauhof) und Präsident Hermann Richter.
Abbildung 1: Der gut gefüllte Seminarraum im Lehrbauhof zeugte vom großen Interesse an aktuellen Themen der Sprengtechnik
Rechtliche Neuerungen in der Sprengarbeitenverordnung (SprengV)
Den inhaltlichen Auftakt machte Ing. Andreas Kuschel (Landesgeschäftsstellenleiter Tirol), der die tiefgreifenden Änderungen durch die SprengV-Novelle 2024 präsentierte. Wesentliche Punkte waren die Einbeziehung von Schwarzpulver in die SprengV, die rechtliche Trennung von Sprengmitteln und pyrotechnischen Gegenständen sowie die Angleichung an das Sprengmittelgesetz 2010. Die Novelle bringt praxisnahe Erleichterungen (z. B. Wegfall von Ausnahmeverfahren) und eine klare Abgrenzung zu Schießmitteln und Pyrotechnik gemäß Pyrotechnikgesetz 2010.
Transport von Sprengmitteln – Sicher durch Vorschriftenvielfalt
Mag. Thomas Umfer (Austin Powder) beleuchtete die komplexen Vorschriften des Sprengmitteltransportes auf öffentlichen Straßen. Neben den ADR-Regelungen ging er besonders auf Fahrzeuganforderungen (EX/II und EX/III), Zusammenladeverbote sowie die allseits bekannte 1000-Punkte-Regel für Kleinmengentransporte ein. Thomas Umfer betonte einmal mehr, dass die Sicherheit am Transportweg nur durch geschulte Lenker, korrekte Dokumentation und geeignete Ausrüstung gewährleistet ist.
Abbildung 2: DI Wolfgang Loub eröffnete den 21. Salzburger Sprengbefugtentag mit gewohntem Charme, Mag. Thomas Umfer führte souverän durch die Fallstricke des Sprengmitteltransports
Sicherheit beginnt vor dem Abflug – Flughafen „Check-In“
Einen spannenden Perspektivenwechsel bot Ing. Michael Bitto vom BMI/Entschärfungsdienst: Sein Vortrag „Security für den Sprengbefugten“ gab Einblick in Sicherheitsprotokolle bei Flughafenkontrollen und die Auswertung positiver ETD-Tests (Explosive Trace Detection). Besonders relevant für Sprengbefugte: Rückstände von Sprengstoffen, Schwarzpulver oder NC-Pulver können beim Check-in zu aufwändigen und langwierigen Sicherheitsverfahren führen.
Abbildung 3: Kurz vor der Mittagspause – Feierliche Überreichung der Abschlusszeugnisse an frisch gebackene Sprengbefugte
Zerwirken statt Sprengen – Eine Alternative Methode zum Zerkleinern von Freisteinen
Dr. mont. DI DI Andreas Schmid und Vzlt i.R. Christian Baumann (Landesgeschäftsstellenleiter Oberösterreich) präsentierten am Beispiel des Zillertaler Steinbruchs „Breitlahner“ alternative Methoden zur zerstörungsarmen Zerkleinerung von Freisteinen – etwa durch Zerwirken mit pyrotechnischen Gegenständen oder durch den Einsatz hydraulischer Spaltgeräte. Im Fokus stand dabei die Verwendung sogenannter steinbrechender Kartuschen der Kategorie P2, die gemäß Pyrotechnikgesetz 2010 nur von Personen mit entsprechender Fachkenntnis verwendet werden dürfen. Voraussetzung dafür ist ein behördlich ausgestellter Pyrotechnikausweis der Kategorie P2 sowie ein Einzelverwendungsbescheid der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde.
Auch Sprengbefugte dürfen diese Kartuschen nur nach Absolvierung einer speziellen Schulung einsetzen und erhalten dafür einen entsprechend eingeschränkten Pyrotechnikausweis der Kategorie P2. Darüber hinaus ist – auch mit dieser Zusatzausbildung – für jeden Einsatz ein Einzelverwendungsbescheid der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde erforderlich.
Obwohl diese Kartuschen als pyrotechnische Gegenstände zugelassen sind und sich durch eine vergleichsweise geringe Lärm- und Erschütterungsentwicklung sowie einen geringen Streuflug auszeichnen, handelt es sich dennoch um gebündelte Energie mit entsprechendem Gefahrenpotenzial. Es ist daher größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit bei Lagerung, Transport und Anwendung geboten – auch wenn keine klassischen Sprengstoffe im Sinne des Österreichischen Sprengmittelgesetzes vorliegen.
Nach der Mittagspause wurde das zuvor theoretisch behandelte Verfahren durch Vzlt i.R. Baumann im Freigelände des Salzburger Lehrbauhofes eindrucksvoll vorgeführt.
Video der Sprengpraxis beim 21. Salzburger Sprengbefugtentag (Quelle: Christian Weichenberger)
Abbildung 4: Begutachtung des zerwirkten Freisteins
Aus der Praxis – Die Sprengtechnik am Steirischen Erzberg
Dipl.-Ing. Peter Schimek (VA Erzberg GmbH) gewährte faszinierende Einblicke in den Sprengbetrieb am größten Eisenerztagebau Mitteleuropas. Mit jährlich ca. 130.000 Bohrmetern, rund 1.500 Tonnen Sprengstoffverbrauch und dem Einsatz modernster GPS-gesteuerter Bohrgeräte werden Präzision, Sicherheit und Erschütterungsminimierung (u. a. durch den Einsatz des Verfahrens der geteilten Ladesäulen) auf beeindruckende Weise umgesetzt.
Abbildung 5: DI Peter Schimek gewährte spannende Einblicke in die Sprengtechnik am steirischen Erzberg – dem größten Tagebau Mitteleuropas
Unternehmerischer Realismus trifft technische Vision
Mst. Reinhard Knoflach (Knofl GmbH) beleuchtete in seinem Vortrag „Die Sprengtechnik aus der Sicht des Unternehmers“ die praktischen Herausforderungen im Arbeitsalltag. Dabei sprach er offen über den Aufwand und die Komplexität moderner Technik – von 3D-Planung über elektronische Zündsysteme bis hin zum Fachkräftemangel. Besonders eindrucksvoll war seine ehrliche Analyse der Kosten-Nutzen-Verhältnisse digitaler Lösungen und seine klare Botschaft: „Irgendwer muss es machen – aber bitte richtig.“
Der „Imperial Avalauncher“ – Innovation beim Lawinensprengen
Zum Abschluss präsentierte Wolfgang Aschauer ein aus Kanada stammendes Lawinensprengsystem: den „Imperial Avalauncher“. Das mit Stickstoff betriebene Rohrsystem verschießt aerodynamisch geformte TNT-Ladungen (BLITZ/BLITZ Plus) präzise auf Lawinenhänge. Die Vorteile: keine Korrosion, keine Schwarzpulverrückstände, RECCO-Reflektor zur Auffindbarkeit, einfache Anwendung ohne Pyrotechnikerlehrgang – ein vielversprechender Ansatz für den europäischen Markt.
Fazit
Der 21. Salzburger Sprengbefugtentag bot ein beeindruckendes Spektrum an Inhalten: von notwendigen Verordnungsänderungen über logistische Herausforderungen und sicherheitstechnische Aspekte bis hin zu visionären und alternativen Anwendungen der Sprengtechnik. Die Mischung aus Behördenwissen, Praxisbezug und technischer Innovation machte diese Veranstaltung zu einem unverzichtbaren Treffpunkt für Fachleute des Sprengwesens.
Wir bedanken uns bei allen Vortragenden, Organisatoren und Unterstützern – und freuen uns bereits auf den 22. Sprengbefugtentag am 20. Februar 2026!



